Neurology, Psychiatry and Brain Research 3: 1 - 10, 1995.
Zeitgeber" des endokrinen Systems: Zirbeldrüse Melatonin und Pars tuberalis der Hypophyse
Abstrakt
Die Pars tuberalis ist der proximale Teil der Adenohypophyse. Sie besteht hauptsächlich aus einem noch nicht genau definierten speziellen Typ von endokrinen Zellen, die den primären Kapillargeflecht des Hypophysen-Portalsystems bedecken. Die dichte Expression von Melatoninrezeptoren und deutliche Veränderungen der Morphologie und Sekretionsaktivität während des Jahreszyklus lassen vermuten, dass diese Zellen an der Übertragung photoperiodischer Reize an endokrine Ziele wie die Hypophysen-Gonaden-Achse beteiligt sind. Die Klonierung des Melatoninrezeptors und Ansätze zur Identifizierung von Mechanismen der G-Protein-gekoppelten Signaltransduktion in diesen Zellen werden wahrscheinlich neue Erkenntnisse über die regulatorische Rolle von Melatonin liefern. Die Identität der sekretorischen Produkte und ihre Auswirkungen innerhalb der neuroendokrinen Regulation bleiben jedoch weiterhin rätselhaft. Jüngste Ergebnisse deuten darauf hin, dass pars tuberalis-spezifische Zellen pleiotrope Zellen sind, die einen recht komplexen modulatorischen Einfluss auf die Sekretionsaktivität der pars distalis ausüben. Ob solche Veränderungen der Genexpression der pars tuberalis als Reaktion auf photoperiodische Reize auch beim Menschen auftreten, muss noch geklärt werden. Verschiedene Hinweise bestätigen jedoch, dass Veränderungen der Photoperiode durch die pars tuberalis als Melatonin-regulierte „Zeitgeber” des endokrinen Systems vermittelt werden könnten.
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